Im dem Film "Haus am See" leben Sandra Bullock und Keanu Reeves in bsagtem Haus und schreiben sich Briefe. Der Gag daran ist, dass beide in verschiedenen Jahren dort wohnen und sich darum eigentlich gar nicht kennen können. Trotzdem kommt die Post aus der Zukunft bzw. der Vergangenheit zuverlässig an. Was für einen Brief würdest Du Dir selber schreiben? Ich mir den hier: 

Hallo, Du mein jüngeres Ich, 

vorneweg: Ich halte Dich keineswegs für doof. Aber keiner weiß heute besser als ich, wie elend lange Du brauchen wirst um endlich zu kapieren worauf es beim richtigen Packen ankommt. Das Dumme mit Erfahrungen ist halt, dass man sie erst dann hat, nachdem man sie eigentlich schon gebraucht hätte. Hinterher ist man darum meistens schlauer - dank dieses Briefes vielleicht aber auch schon mal vorher? Hier ist mein Rat: 

Alles was Du nicht auch durchfeuchtet bis klitschnass uneingeschränkt nutzen kannst, muss richtig wasserdicht in robusten Packsäcken verstaut werden.

Müllsäcke u. ä. zählen nicht. Nimm lieber mehrere kleine Packsäcke als nur wenige große. Du wirst staunen, wie viel Platz Dir früher mit diesen großen Packstücken verloren gegangen ist.

Ich weiß, Du glaubst  ABC und XYZ wirklich zu brauchen - aber geh mal in Dich! Prüfe Dich und deine Ausrüstung kritisch - brauchst Du das wirklich? Arbeite wenigstens anfänglich mit Packlisten. Die kannst Du während der Tour um bitter Vermisstes erweitern und nach der Tour darauf überprüfen, was denn nun auch wirklich benutzt wurde. 

Ersetze Deine voluminöse und schwere Ausrüstung. Ja, Dein israelischer Luftwaffenschlafsack sieht echt cool aus, aber er leider auch. Zumindestens bei Temperaturen unter 12°C . Und dafür schleppst Du fast 2kg Kunstfasern mit Dir rum? Dafür bekommst Du auch zwei herbsttaugliche Daunenschlafsäcke mit halbem Packmass mit. Und denke auch mal über CrazyCreek-Sitze statt Campinggestühl, Hobo statt Fossilbrenner und Camp-A-Box statt "richtigem" Geschirr nach. Und da Du ja Rückenschläfer bist, brauchst Du auch keine superbreite Luxusmatratze. 51 cm reichen Dir aus.

A propos "schwer": schwere Sachen gehören natürlich so weit unten wie möglich ins Boot. Und möglichst in die Mitte. Vermeide Deckslast, außer für Sachen auf die Du wirklich unmittelbar Zugriff brauchst. 

Alles was Du schadfrei komprimieren kannst, das komprimier auch. Natürlich wasserdicht. Schlafsack, Zelt, Klamotten... das spart erstaunlich viel Stauraum. 

Nimm nicht so viele Wechselklamotten mit. Besorg Dir lieber eine Faltschüssel und "Rei in der Tube". Oder nimm einen wasserdichten schwarzen Packsack als Outdoor-Waschmaschine. Der kann sich mit Waschmittel, Klamotten, Wasser und etwas Luft befüllt in der Sonne gut aufheizen und lässt sich danach wie eine echte Waschtrommel spielend leicht rotieren. Am besten geht das im Wasser. 

Kleide Dich konsequent nach dem Zwiebelprinzip. Ein dünnes T- und ein dickeres Langarmshirt kombiniert mit einer Softshelljacke (und ggf. einer dünnen Regenjacke) sind wärmer als ein Pullover. Flexibler und annähernd gleich im Packmaß sind sie ohnehin. und wenn du schon dabei bist Deine Tour-Garderobe zu überdenken: versuche es mal mit Klamotten aus Merinowolle. Unsere Haut verträgt das ja, da kannst du nochmal Packvolumen sparen, denn Merinowolle müffelt nicht so schnell wie Kunstfaser und muss darum nicht so rasch getauscht oder gewaschen werden. Und außer Hosen gibt es eigentlich alles aus Merino. Bei Merinogemischen sollte der Kunstfaseranteil nicht höher als 40 % sein. 

Guck mal Dein Boot an. Das ist vorn und hinten schmaler als in der Mitte. Da gibt es so konisch geformte Packsäcke, wenn Du vorn und hinten am Gerüst eine kleine Umlenkrolle installierst, kannst Du solche Säcke mittels eines Zugseiles bis ganz in die Spitzen ziehen.

Ich weiß dass Du kein Zweier-Fan bist. Aber gerade bei Zweiern ist im Sitzlukenbereich links und rechts unter dem Oberdeck noch gut Platz für lange und schmale Sachen. Einfach beim Aufbau ein paar kleine Spanngurte um die Bordwand fädeln, dann kannst Du dort beispielsweise die - hoffentlich wasserdicht verpackten - Isomatten anschnallen. 

Aber egal wie viel Platz Du sparst - nimm wenn möglich immer eine Gitarre mit. Mein älterer Bruder kam einmal von einer Jugendfahrt zurück. Befragt nach seinen Erlebnissen sagte er nur: "Der Gitarrenspieler kriegt immer die Mädchen!" Und das stimmt öfter als Du heute noch glaubst. 

Gruß,

Michael