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Selbstbauten von Volker Born

Vierter Kajak

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Faltbootselbstbau kann eine wunderbare Sache sein. Es hilft im Winter über trübe Tage hinweg und bringt manchmal Momente höchsten Glücksgefühles, so z. B. wenn man im neuen, gerade zu Wasser gelassenen Boot die ersten Paddelschläge macht. Es hat aber in meinem Fall auch den Nachteil, immer kritischer zu werden. An jedem Boot gibt es irgendwelche Mängel, daher habe ich mittlerweile eine ganze Faltbootsammlung angelegt. So kann ich für das jeweils vorgesehene Fahrtenziel das dem Ideal am nächsten stehende Kajak nehmen. Ein gut Teil Sammelwut ist natürlich auch dabei, wohl dem, der in so einem Fall ausreichend Lagerplatz zur Verfügung hat. Nicht zuletzt sind alte Boote aber auch wunderbar, um sich Ideen abzuschauen. Es lässt sich sogar vorher ausprobieren, wie tauglich sie in der Praxis sind, ob und wann sie kaputt gehen oder ob sie gern zu abgerissenen Fingernägeln führen. Manchmal liefern sie auch das eine oder andere dringend benötigte Teil (wobei für solche Maßnahmen bei mir nur wenige Gerüste zur Verfügung stehen. Die meisten sind mir dafür zu kostbar).Nach meinen bereits im vorstehenden Bericht nachzulesenden Erfahrungen mit selbstgebauten Faltkajaks, die im wesentlichen auf traumhafte Fahreigenschaften und unzureichenden Platz für Gepäck hinauslaufen, entschloss ich mich, beides zu vereinigen und folgerichtig ein neues Boot zu bauen. Dieses – das vierte einer Reihe – sollte die positiven Fahreigenschaften möglichst unverändert übernehmen, aber genug Platz für mehrwöchige Sommertouren bieten. Da tritt der Widerspruch schon auf, dessen Lösung, um es vorweg zu nehmen, nicht so gelungen ist wie in der Vorstellung ausgemalt. Da sollte das neue Boot in Wind und Wellen neutral laufen, sehr tief im Wasser liegen, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, vollkommen dicht gegen die dadurch ja fast immer das ganze Boot überspülenden Wellen sein, gut zu beladen sein mit einer zumindest im Sommer für zwei Wochen ausreichenden Gepäckmenge, mit dieser an Bord ein sehr zügiges Tourentempo erlauben, leer auch ein paar hundert Meter auf der Schulter zu tragen sein und natürlich dem Auge wohlgefallen. Besonders der letzte Punkt bewog mich, wie auch bei meinen bisherigen Eigenbauten eine an westgrönländische Kajaks angelehnte Bootsform zu wählen. Das Boot beruht auf dem Riss des Vorgängers, ist aber mit 5,3 m Länge um 10 cm länger, mit 57 cm Breite 2 cm breiter und etwa 1,5 cm höher. Die Bootsspitzen sind etwas fülliger geworden, um hohle Linien zu vermeiden. Diese Veränderungen klingen harmlos, bewirken aber recht viel. Doch dazu später. Im Folgenden möchte ich zunächst das Boot beschreiben. Ausgangspunkt der Überlegungen war also, ein seetüchtiges, leichtlaufendes und gepäcktragendes Faltboot zu bauen, welches ich nicht nur gerne fahren, sondern auch gerne ansehen möchte. Meine klassischen Boote der Firmen Pionier und Klepper haben so ihre Probleme mit den ersten beiden Punkten, vor allem mit deren Kombination. Das im Vergleich enorme Volumen erlaubt zwar Zuladungen, die für meine Begriffe unterwegs keinen Luxus vermissen lassen, bietet aber Wind und Wellen große Angriffsflächen. Diese sind vor allem bei wenig Gepäck der Grund für drastisch unhandlicheres Fahrverhalten gegenüber einem schlanken, niedrig volumigen Boot. Mein dritter Kajak liegt dagegen geradezu begeisternd in den Wellen und wird wenig vom Wind beeinflusst, aber mehr Gepäck als für vier Tage bei warmer Witterung ist einfach nicht darin unterzubringen. Bei Zuladung von entsprechenden Mengen Wasser verschwindet auch der ohnehin geringe Freibord fast gänzlich, was mich dem nassen Element wirklich sehr nahe bringt und beim Ein- und Ausstieg den Kajaksocken zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Bootes werden läßt. Ich wollte nun möglichst viel der Fahreigenschaften des Falteskis bewahren, während das Kajak notgedrungen mehr Volumen bekommen sollte, wenn auch nicht so viel wie ein klassischer Einer. Ich habe von der Konstruktion von Rumpfformen keinerlei Ahnung, sondern stehe in dieser Hinsicht ungefähr auf dem technischen Stand des Mittelalters und bin der Auffassung, dass, was gut aussieht, auch gut fährt (der Umkehrschluß, dass, was gewöhnungsbedürftig aussieht, nichts taugt, ist meiner Meinung nach aber Blödsinn. Die Aleutenkajaks oder Baidarkas haben auf mich zunächst ausgesprochen hässlich gewirkt, aber ihre Fahrer lassen ihre anderen Boote in den Bootsschuppen verstauben). Die bei den Vorgängern so bewährte integrierte Heckflosse habe ich zugunsten einer abnehmbaren Flosse weggelassen, um bei Bedarf sowohl ein wendigeres Boot zu haben als auch durch verschieden große Flossen das Boot trimmen zu können. Das geht zwar nur durch Anlanden und Aussteigen oder durch einen Helfer, aber einen variablen Skeg in ein Faltboot zu integrieren ist knifflig. Ich habe jedenfalls auch nach langem Überlegen keine taugliche Lösung gefunden. Ein Steuer habe ich an den Eskis noch nicht vermisst. Die Flosse besteht aus zwei Teilen, einer Leiste, die mit Pattex angeklebt ist und die schlüssellochartige Beschläge besitzt, und der eigentlichen Flosse, die einfach mit Schraubenköpfen an der Leiste befestigt wird. Die Flosse soll dann bei heftiger Grundberührung einfach abbrechen und die Haut intakt lassen. Das Gerüst weist recht wenige Veränderungen auf. Wieder sind Tothölzer aus 12 mm Birkenmultiplex in den Steven fest mit einer außen aufgeschraubten Messingschiene verbunden, die acht Spanten sind aus dem gleichen Sperrholz geschnitten und mit Winkelbeschlägen auf dem Kiel befestigt. Die Beschläge selbst sind bei diesem Boot allerdings durchweg aus Messing, da bei dem Aluminium des Vorgängers Korrosionsprobleme durch Salzwasser auftraten. Befestigt wurden sie nach Möglichkeit mit Kupfernieten, ansonsten mit Messingholzschrauben. Alle Beschläge sind so klein wie möglich ausgeführt, da Messing recht schwer ist und sperrige Beschläge beim Transport des zerlegten Bootes lästig sind. Alle Längshölzer sind aus Esche, wobei die Senten einfach von einem alten Aerius kannibalisiert wurden. Die Bordwände sind durchgehend mit 2 mm starkem Birkensperrholz beplankt und nach dem bewährten Prinzip mit hölzernen Beschlägen miteinander verbunden. Die Holzquerschnitte sind der Gewichtsersparnis halber teilweise noch geringer als bei dem Vorgänger geworden. An einigen Stellen sind Verstärkungen angebracht. Als Leim wurde ein PU-Holzleim sowie an einigen Stellen Epoxidharz verwendet. Der Anstrich besteht aus zweimaligem Ölen mit einem Fußbodenhartöl, darüber zwei bis vier Lagen Le Tonkinois, ein französischer Bootslack auf Leinölbasis, den ich sehr lobe. Die Haut besteht aus PVC und Baumwolltuch. Das Unterwasserschiff ist in bewährter Manier aus drei Bahnen gefertigt, wobei über den Nähten Kielstreifen für Dichtigkeit und Abriebschutz sorgen. Geklebt habe ich mit Pattex Transparent, womit ich nicht sehr zufrieden war. Das Deck ist aus weißer Baumwolle, durch einen weinroten Keder vom schwarzen Unterwasserschiff abgesetzt. Leider ist der Keder nicht farbecht und färbt das Deck streifenweise rosarot. I am not amused. In die Naht eingesetzt sind zahlreiche D-Ringe aus Kunststoff. Diese halten bei Bedarf Kompass, Ersatzpaddel, Karte, Paddelleine etc. und ermöglichen es, ein Grönlandpaddel als Ausleger aufzuriggen. Zwei Kunststoffinspektionsluken aus dem Yachthandel dienen als Packluken bzw. als Durchgriffe, um Gepäck weiter in die Bootsenden zu befördern. Diese Luken haben sich bei meinem Pionier Supersport schon sehr bewährt und sind auch dicht, sofern der leicht herausfallende Dichtungsring noch da ist, wo er sein soll. Der Süllrand ist aus kaltgebogener, formverleimter Esche. Ich habe drei Versuche gebraucht, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Zwei Nuten an der Innenseite, die mit einem Scheibenfräser an der Oberfräse leicht und exakt herzustellen waren, halten die Bootshaut und den Kajaksocken. Eine Verbindung des Sülls zum Gerüst ist nicht notwendig. Er braucht nur die Spritzdecke und den Kajaksocken zu halten. Der Süll besteht wegen des kleineren Packmaßes aus zwei Teilen, die mit Messingscharnieren zusammengehalten werden. Den Halt der Knie besorgt ein Masik, ein geschlossener Spant direkt über den Knien. Dieser ist im Spantendach für die Bequemlichkeit etwas verbreitert. Das Bootsgerüst ist viergeteilt und passt mit seiner maximalen Länge von 1,32 m inklusive Spanten und Sitz in eine Aerius-Stabtasche. Das gesamte Boot wog beim letzten Wiegen knapp unter 20 kg, die Gewichtsforderung, die ich gestellt hatte, ist also erfüllt. Die Querschnitte der meisten Bauteile sind dabei schon ziemlich gering ausgefallen, und es ist mir ein Rätsel, wie früher Faltboote von gleichen Abmessungen mit Gewichten von weniger als 10 kg gebaut wurden, die auch noch wildflusstauglich waren. Mit einer dünneren Haut lässt sich noch etwas einsparen, und für einige Längshölzer könnte man leichteres Holz statt der recht schweren Esche einsetzen. Trotzdem glaube ich nicht, das Gewicht auch nur unter 15 kg drücken zu können, und das bei Ausreizung aller Tricks. Sollte jemand wissen, wie diese Boote gebaut waren, bin ich für entsprechende Mitteilungen wirklich dankbar. Dieses Mal habe ich aus reiner Neugier ein Werkstattbuch geführt, in dem ich die Baustunden aufgelistet habe. Leider bin ich gegen Ende recht nachlässig gewesen, aber für das komplette Gerüst mit Beschlägen ohne Lackierung habe ich 120 Stunden benötigt. Insgesamt wird sich die Bauzeit also irgendwo zwischen 160 und 180 Stunden bewegen. In dieser Zeit ist die Materialbeschaffung und die Konstruktion (Riss entwerfen, Beschläge entwickeln, Teilungskonzept erarbeiten etc.) nicht enthalten! Dafür habe ich wohl noch einmal die gleiche Anzahl Stunden gebraucht. Das erscheint sehr viel, aber darin enthalten sind die vielen Stunden vor dem Einschlafen oder bei langweiligen Verrichtungen, bei denen die Gedanken um ungelöste Bootsbauprobleme kreisten. Diese Zahlen lassen sich aber drastisch reduzieren, wenn man einen fertigen Riss hernimmt und das Kajak nach einer guten (und trotzdem einfachen) Anleitung baut. Die Baukosten des Bootes sind in Euro gemessen eher gering, da ich mittlerweile für viele Materialien günstige Quellen gefunden habe und z. B. PVC statt Hypalon verwende. Die Kosten für mehr oder minder direkt für den Bootsbau gekaufte Werkzeuge und Maschinen sind dagegen deutlich höher, verteilen sich aber nun auf mehrere Boote und haben auch bei der Restauration alter Faltboote und dem Bau Durch die flachere Seitenlinie musste der Bereich vor der Luke höhergezogen werden gänzlich unfaltbarer Dinge ihren Dienst getan. Warum ich mit dem eigentlich ganz hübschen Boot nicht zufrieden bin? Es hat da ja diese rosa Streifen .... Die habe ich herauszuschrubben versucht. Entweder durch das verwendete Spülmittel (saublöde Idee, also wirklich) oder weil der Deckstoff einfach nicht so gut ist wie der vorige, läuft nun Wasser ins Boot. Ohne Flosse bricht das Boot in mitlaufender See unkontrolliert um bis zu 30° aus, was mit Flosse immerhin nicht mehr passiert. Die auf dem Papier geringen Änderungen der Abmessungen gegenüber dem vorigen Kajak haben erstaunlich große Auswirkungen. Das Boot besitzt trotz des fast gleichen Hauptspantes, der ja sogar 2 cm breiter ist, eine geringere Anfangsstabilität. Die geringe Volumenvergrößerung in Bug und Heck sollte die Bootsspitzen vor allzu frühem Wegsacken bewahren und nach der Theorie eine etwas größere Geschwindigkeit bewirken. Für den ersten Punkt ist die Vergrößerung zu klein ausgefallen und der zweite ist überhaupt nicht eingetreten, im Gegenteil, das neue Boot erscheint langsamer. 

Aktualisierung: 13/11/2017